

Klar.
Ich kann mir etwas sagen lassen. Die Frage ist nur: Was genau soll ich mir sagen lassen?
Einen hilfreichen Hinweis?
Eine andere Perspektive?
Eine konkrete Rückmeldung?
Oder soll ich mir in Wahrheit eine Hierarchie sagen lassen? Denn genau da wird der Satz interessant.
„Du musst dir auch mal was sagen lassen müssen“ klingt erst mal nach Kritikfähigkeit, Reife und erwachsenem Miteinander. Fast wie ein pädagogischer Brotaufstrich: gesund, vernünftig, streichfähig. Schaut man genauer hin, steckt häufig etwas anderes drin:
Nicht: „Ich möchte dir etwas mitgeben.“ Sondern: „Ich möchte, dass du meine Sicht übernimmst.“
Nicht: „Hör es dir an und prüf es.“ Sondern: „Wenn du widersprichst, beweist du gerade, dass man dir nichts sagen kann.“ Bezaubernd.
Eine kommunikative Falle mit Schleifchen.
Die eigentliche Sauerei liegt oft nicht in der Kritik selbst.
Die liegt in der stillschweigenden Umdeutung: Kritik annehmen = gehorchen.
Nur dummerweise stimmt das nicht. Ich kann verstehen, was du meinst, ich kann deinen Einwand hören, ich kann sogar anerkennen, dass du an einer Stelle recht hast – und trotzdem einen anderen Weg wählen. Das nennt sich nicht Unverschämtheit. Das nennt sich eigenes Denken.
Noch spannender wird es beim Ton. Denn Menschen helfen nicht nur mit Worten.
Sie helfen mit Tonfall, Blick, Haltung, Unterton und dem kleinen Beziehungsbeigeschmack von: „Ich weiß es besser. Du bist hier unten. Lernfähig wär schön.“
Dann wird aus einem Hinweis schnell ein Dogma. Dann kommt häufig der zweite Hammer:
Sage ich, dass mich der Ton trifft, heißt es nicht selten:
Bing.
Da ist sie: die elegante Kreisbewegung. Ich kritisiere dich.
Du reagierst auf meinen Ton.
Deine Reaktion beweist meine Kritik. Praktisch - nur für einen von beiden.
Der Punkt ist simpel: Sich etwas sagen lassen können bedeutet nicht, sich alles sagen lassen zu müssen.
Der Ton macht die Musik.
Das Danach zeigt die Dynamik.
Herzlichst, Jacqueline