ELSTER – dysfunktionale Beziehungsdynamiken sichtbar machen

ELSTER beschreibt wiederkehrende Dynamiken, Verhaltensweisen und Mechanismen, die sich in dysfunktionalen Beziehungen zeigen können.ELSTER ist:
  • keine Diagnose,
  • keine Persönlichkeitsbeschreibung,
  • keine Festlegung eines Menschen,
  • keine moralische Verurteilung,
  • niemals die Beschreibung des vollständigen Menschen.


ELSTER betrachtet nicht, was ein Mensch ist, sondern was sich in einer bestimmten Beziehung, Situation oder Konstellation wiederholt zeigen kann.

E - Entwertung

Entwertung beschreibt das wiederholte Abwerten, Herabsetzen oder Nichtanerkennen von Gefühlen, Wahrnehmungen, Leistungen, Bedürfnissen oder Grenzen. Sie kann offen auftreten, etwa durch Spott, Beschämung oder Beleidigungen. Sie kann ebenso subtil wirken, beispielsweise durch ständiges Relativieren, Lächerlichmachen oder die Botschaft, die Reaktion des anderen sei unangemessen, übertrieben oder bedeutungslos.

L - Lügen

Lügen umfasst offene Unwahrheiten ebenso wie Auslassungen, Verdrehungen, Täuschungen und widersprüchliche Darstellungen. Dazu kann auch Gaslighting gehören: Die Wahrnehmung, Erinnerung oder Einschätzung des anderen wird wiederholt infrage gestellt, bis dieser zunehmend an sich selbst zweifelt. Nicht jede Unwahrheit ist automatisch Gaslighting. Entscheidend sind Wiederholung, Funktion, Beziehungskontext und Wirkung.

S - Schuldumkehr

Schuldumkehr beschreibt die Verschiebung von Verantwortung. Die Person, die ein problematisches Verhalten anspricht, wird plötzlich selbst zur Ursache des Konflikts erklärt. Verletzendes Verhalten wird damit begründet, provoziert worden zu sein oder keine andere Wahl gehabt zu haben. Die Verantwortung für das eigene Verhalten wird abgegeben, während der andere sich zunehmend rechtfertigen muss.

T- Toxizität

Toxizität bezeichnet innerhalb von ELSTER keine Eigenschaft eines Menschen, sondern eine belastende oder schädigende Beziehungsdynamik. Sie kann sich durch kontrollierende, übergriffige, dominierende oder autonomieeinschränkende Verhaltensweisen zeigen. Dazu gehören beispielsweise: Überwachung, soziale Isolation, Einschränkung von Kontakten, Kontrolle über Entscheidungen, Einengung persönlicher Freiräume, Drohungen oder Einschüchterung, wiederholte Grenzüberschreitungen. Nicht der Mensch wird als „toxisch“ bezeichnet. Betrachtet wird, ob eine Dynamik toxisch, einengend oder schädigend wirkt.

E - Emotionalität

Emotionalität beschreibt innerhalb von ELSTER den problematischen Umgang mit emotionalem Kontakt. Sie kann sich als Kontaktabbruch, Schweigen, affektive Abwesenheit, emotionale Unerreichbarkeit, demonstrativer Rückzug oder Vermeidung zeigen. Ebenso beschreibt es den Einsatz, die Verstärkung oder die Inszenierung von Emotionen, um andere Dynamiken und Mechanismen zu untermalen, zu rechtfertigen, zu verdeutlichen oder wirksamer zu machen. Entscheidend ist nicht, dass jemand Emotionen zeigt. Emotionen sind selbstverständlich menschlich und nicht automatisch manipulativ. Nicht jeder Rückzug ist dysfunktional. Rückzug kann auch Selbstschutz oder notwendige Regulation sein. Entscheidend ist, ob er wiederholt als Druckmittel, Bestrafung, Kontrolle oder Verweigerung von Beziehungsklärung eingesetzt wird.

R - Respektlosigkeit

Respektlosigkeit umfasst Geringschätzung, verletzende Kommunikation und das Missachten persönlicher Grenzen. Sie kann sich zeigen durch: Beleidigungen, Verachtung, Spott, Demütigung, Bloßstellung, abwertende Gesten, Grenzmissachtung, absichtliches Übergehen von Bedürfnissen, verletzenden oder entwürdigenden Umgang. Respektlosigkeit beschreibt ein Verhalten oder eine Dynamik. Sie definiert nicht den gesamten Menschen.

Der zentrale ELSTER - Satz

ELSTER zeigt keine Diagnose und keinen vollständigen Menschen. ELSTER macht sichtbar, welche dysfunktionalen Dynamiken, Verhaltensweisen oder Mechanismen sich in einer Beziehung wiederholt zeigen können.
VSP-Perspektive
ELSTER fragt nicht:
„Was stimmt mit diesem Menschen nicht?“

ELSTER fragt:
„Was zeigt sich zwischen diesen Menschen, wie wiederholt es sich und welche Wirkung entfaltet es?“

Dadurch wird aus einer stigmatisierenden Zuschreibung eine beobachtbare Beziehungslandkarte.