17 Minuten Lesezeit
Wenn niemand der Böse ist – wohin dann mit der Schuld?

Eine ELSTER über Trennung, Verantwortung und die verdammt unbequeme Möglichkeit, dass niemand vollständig falsch sein muss

Ein Mann und eine Frau sitzen am Küchentisch. Er will sich trennen. Er hat sich vorbereitet. Nicht nur darauf, was er sagen möchte, auch darauf, was danach passieren könnte.

Wenn sie schreit, weiß er ungefähr, was er erwidern will. Wenn sie weint, hat er Worte dafür. Wenn sie wütend wird, kennt er seine Verteidigung. Wenn Vorwürfe kommen, kann er erklären.

Seine Abschiedsworte sind vorbereitet. Die möglichen Gegenangriffe ebenfalls.

Nur hält sich die Frau nicht ans Drehbuch. Sie schreit nicht. Sie beschimpft ihn nicht. Sie macht ihn nicht zum Schwein, Verräter, Versager oder Verantwortlichen für sämtliche Trümmer der vergangenen Jahre.

Sie sitzt da. Hört. Antwortet. 

Plötzlich fehlen ihm nicht die Argumente. Ihm fehlt der Gegner.

Er sagt:

„Ich weiß nicht, wie man das hier macht. Ohne Schuld. Ohne Strafe. Ohne dass jemand der Böse ist.“

Dann:

„Ich habe mein Leben darauf gewartet, dass mir jemand sagt, was mit mir falsch ist. Meine Eltern. Du. Jetzt sitzt du da und sagst, nichts ist falsch. Ich weiß gerade nicht, wohin mit mir. Wenn nichts falsch ist – warum habe ich dann dreißig Jahre so getan, als wäre ich jemand anderes?“

Sie meint nur:

„Vielleicht hat dir lange niemand gezeigt, dass du nicht erst jemand anderes werden musst, um zu reichen.“

Keine Diagnose. Keine endgültige Erklärung seiner Biografie. Keine neue Wahrheit über ihn, die nun bitteschön die alte ersetzen soll.

Nur eine Möglichkeit. Eine Tür.

Und eine ziemlich große Frage:

Was passiert, wenn ein Mensch auf Schuld vorbereitet ist – und stattdessen auf Würde trifft?


Es geht hier nicht nur um eine Trennung

Natürlich geht es um eine Trennung. Zwei Menschen müssen entscheiden, wie es weitergeht.

Gemeinsames - Leben - Wohnung - Finanzen - Freunde - Familie - Gewohnheiten - Erinnerungen - Nähe - Zukunftsvorstellungen

Da liegt genug auf dem Küchentisch.

Psychologisch passiert jedoch noch etwas anderes. Der Mann scheint ein Koordinatensystem zu kennen, das ungefähr so funktioniert: Schmerz braucht Schuld. Schuld braucht einen Schuldigen. Der Schuldige braucht Strafe. Wer bestraft wird, muss etwas falsch gemacht haben. Wer etwas falsch gemacht hat, ist womöglich selbst falsch.

Das ist keine ungewöhnliche menschliche Logik. Sie ist sogar wunderbar übersichtlich.

Einer hat recht. Einer hat unrecht. Einer geht. Einer wird verlassen. Einer ist Täter. Einer Opfer. Einer bekommt das moralische Sorgerecht für die gemeinsame Geschichte. Schön ordentlich.

Nur leider sind Beziehungen manchmal ausgesprochen unkooperativ und passen nicht in dieses Sortiersystem.

Manchmal verletzen sich zwei Menschen. Manchmal versuchen beide ihr Bestes und ihr Bestes reicht trotzdem nicht füreinander. Manchmal trägt einer mehr Verantwortung für bestimmte Ereignisse als der andere. Manchmal passen Bedürfnisse, Lebensrichtungen oder Beziehungsvorstellungen nicht mehr zusammen. Manchmal liebt man sich sogar noch.

Eine Beziehung kann trotzdem enden. Jetzt wird es lästig. Denn wen sollen wir verdammt noch mal zum Bösewicht erklären?


ELSTER: Wenn nicht die Person, sondern die Dynamik untersucht wird

ELSTER fragt nicht: „Was für ein Mensch ist dieser Mann?“ ELSTER fragt auch nicht: „Was stimmt mit dieser Frau?“ Interessanter ist: Was geschieht zwischen diesen beiden Menschen – und welche inneren Dynamiken werden in diesem Moment sichtbar?

Dabei lassen sich die sechs ELSTER-Bereiche erstaunlich gut wiederfinden. Nicht als Diagnose. Nicht als Beweisführung. Als Landkarte.


E – Entwertung: Von „Ich habe etwas falsch gemacht“ zu „Mit mir ist etwas falsch“

Der vielleicht wichtigste Satz lautet:

„Ich habe mein Leben darauf gewartet, dass mir jemand sagt, was mit mir falsch ist.“

Da steckt ein gewaltiger Unterschied drin. 

Es ist etwas anderes zu hören: „Diese Entscheidung hat mich verletzt.“ als: „Mit dir stimmt etwas nicht.“

Es ist etwas anderes zu sagen: „Ich habe einen Fehler gemacht.“ als: „Ich bin der Fehler.“

Verhalten kann überprüft werden. Entscheidungen können falsch, unklug, egoistisch, feige oder verletzend gewesen sein.

Verantwortung darf übernommen werden. Entschuldigung kann notwendig sein. Konsequenzen dürfen folgen.

Nur muss daraus kein Urteil über den vollständigen Wert eines Menschen entstehen. 

Genau dort arbeitet Entwertung besonders zuverlässig: Aus einem Verhalten wird ein Charakter. Aus einem Fehler wird Identität. Aus: „Das war nicht in Ordnung.“ wird: „Du bist nicht in Ordnung.“

Wer lange so auf sich blickt, braucht irgendwann möglicherweise gar niemanden mehr, der ihn entwertet. Das erledigt die innere Buchhaltung schon selbst.


L – Lügen: Was, wenn die größte Unwahrheit die eigene Rolle war?

Bei „Lügen“ könnte man jetzt vorschnell fragen: Hat er die Frau jahrelang angelogen? Hat er sich verstellt? War die Beziehung unehrlich? Das wäre mir zu billig. Sein Satz ist interessanter:

„Warum habe ich dreißig Jahre so getan, als wäre ich jemand anderes?“

Menschen erschaffen nicht immer bewusst eine falsche Persönlichkeit.

Manchmal lernen sie früh: So bekomme ich Anerkennung. So vermeide ich Streit. So werde ich geliebt. So gehöre ich dazu. So mache ich niemandem Schwierigkeiten. So enttäusche ich meine Eltern nicht. So bin ich ein guter Partner. So bin ich richtig.

Irgendwann wird aus Anpassung Gewohnheit. Aus Gewohnheit Selbstbild. Aus Selbstbild: „So bin ich eben.“

ELSTER müsste deshalb nicht fragen: „Wo hat er gelogen?“

Die spannendere Frage wäre:

Wo hat er möglicherweise aufgehört zu unterscheiden zwischen dem, was er tatsächlich wollte, und dem, was er glaubte sein zu müssen?

Das ist etwas anderes. Es macht niemanden zum Betrüger. Es macht sichtbar, wie Zugehörigkeit und Selbstverlust miteinander verstrickt sein können.


S – Schuldumkehr: Was, wenn diesmal gar niemand die Schuld haben will?

Schuldumkehr kennen wir normalerweise so: 

Etwas geschieht. Eine Person spricht es an. Plötzlich ist nicht mehr die ursprüngliche Handlung Thema, sondern ihre Reaktion darauf. Verantwortung wandert. 

Diese Szene zeigt eine interessante Gegenbewegung. Hier fehlt die erwartete Schuldzuweisung.

Damit entsteht fast eine Schuldleerstelle. Der Mann scheint zu wissen, wie man sich verteidigt. Was macht man jedoch, wenn niemand angreift? Was macht man mit Verantwortung, wenn sie nicht automatisch zur Anklage wird? 

Das ist womöglich wesentlich anspruchsvoller. Denn: Verantwortung ohne Schuldgericht lässt weniger Möglichkeiten zur Flucht.

Der Mann kann nicht sagen: „Du bist unfair.“ Er kann sich nicht ausschließlich gegen ihre Anschuldigungen wehren.

Er muss womöglich bei seiner eigenen Entscheidung bleiben. Ich möchte diese Beziehung beenden. Das allein muss reichen.

Kein Gericht. Kein Freispruch. Kein Schuldspruch.

Nur eine Entscheidung, ihre Gründe und ihre Konsequenzen. Das kann brutal erwachsen sein.


T – Toxizität: Braucht Schmerz wirklich einen Bösewicht?

Jetzt wird es etwas rotziger.

Unsere Kultur liebt Trennungsgeschichten mit verständlicher Rollenbesetzung.

Person A geht. Person B bleibt zurück. Gut. Wer ist das Arschloch?

Freunde möchten schließlich wissen, wen sie künftig nicht mehr grüßen. Familien brauchen eine Geschichte. Social Media braucht einen Diagnosetitel. Podcasts benötigen dringend einen verdeckten Narzissten. Der Algorithmus möchte auch leben.

Zwei Menschen, die feststellen: „Wir haben uns geliebt. Wir haben einander verletzt. Wir haben Dinge falsch gemacht. Wir haben versucht, etwas aufzubauen. Wir tragen unterschiedliche Verantwortung. Es reicht trotzdem nicht mehr für eine gemeinsame Beziehung.“… sind medial eine Katastrophe.

Wo bleibt denn bitte der Schurke? Dabei könnte gerade der Zwang zum Bösewicht eine hochproblematische Dynamik erzeugen. Wenn Schmerz nur berechtigt erscheint, sobald jemand schuldig gesprochen wurde, müssen wir jemanden schuldig machen.

Wenn eine Trennung nur legitim erscheint, sobald die andere Person unerträglich genug geworden ist, sammeln wir Beweismaterial. 

Dann bekommt jedes Versäumnis rückwirkend einen roten Textmarker. Jede schwierige Erinnerung wird Teil der Anklageschrift. Jede schöne Erinnerung stört plötzlich die Argumentation. So kann aus einer gemeinsamen Geschichte ein Gerichtsverfahren werden.

Eine Trennung braucht jedoch keinen moralischen Totalschaden, um berechtigt zu sein.

Das heißt nicht: „Alle tragen immer gleich viel Verantwortung.“ Das wäre genauso platt.

Manche Verhaltensweisen sind gravierender als andere. Manche Grenzen wurden überschritten. Manche Menschen verletzen andere massiv. 

Verantwortung darf sehr ungleich verteilt sein. Nur ist Verantwortung etwas anderes als die Behauptung: „Dieser Mensch ist vollständig schlecht.“


E – Emotionalität: Er hat ihre Reaktion schon mitgeschrieben

Dieser Teil der Szene ist fast mein Lieblingsstück. Er hat nicht nur seine Abschiedsworte vorbereitet. Er hat auch mögliche Reaktionen der Frau vorbereitet.

Wenn sie schreit. Wenn sie weint. Wenn sie wütend wird. Das ergibt Sinn.

Eine Trennung ist emotional unberechenbar. Vorbereitung kann Sicherheit schaffen. Nur zeigt die Szene noch etwas: Wir bereiten uns häufig nicht ausschließlich auf Ereignisse vor. Wir bereiten uns auf bekannte Dynamiken vor.

Er kennt möglicherweise die Rolle: Sie reagiert. Er verteidigt. Sie klagt an. Er erklärt. Sie ist verletzt. Er wird schuldig. 

Dann passiert etwas völlig anderes. Keine Eskalation. Keine erwartete Rolle.

Sein vorbereitetes inneres Navigationssystem findet keinen Hafen. Das kann paradoxerweise verunsichernder sein als Streit.

Denn ein bekanntes unangenehmes Muster besitzt einen Vorteil: Man weiß darin ungefähr, wer man ist.

Der Schuldige. Der Verteidiger. Der Versager. Der Beschuldigte. Derjenige, der alles reparieren muss.

Was geschieht, wenn diese Rolle plötzlich nicht gebraucht wird?

Wer bin ich, wenn ich mich nicht verteidigen muss?

Das ist keine kleine Frage.


R – Respektlosigkeit: Was geschieht, wenn Strafe ausbleibt?

Die Frau tut in dieser Szene etwas Bemerkenswertes. Sie muss seine Entscheidung nicht mögen. Sie muss nicht schmerzfrei sein. Sie muss ihm nicht dankbar für die Trennung sein. Sie muss ihm auch nicht bescheinigen, alles großartig gemacht zu haben.

Sie verweigert lediglich etwas anderes: die Vernichtung seiner Person.

Sie kann sagen: Das tut weh. Ich wollte etwas anderes. Ich bin enttäuscht. Ich bin verletzt. Ich verstehe dich möglicherweise nicht.

Trotzdem sagt sie nicht: „Deshalb bist du falsch.“ Damit entsteht etwas, das in schwierigen Beziehungen erstaunlich selten wirken kann:

Verantwortung ohne Entwürdigung.

Man kann einen Menschen für sein Verhalten verantwortlich halten, ohne seinen vollständigen Wert zur Abstimmung zu stellen.

Man kann eine Beziehung beenden, ohne die gemeinsame Geschichte zu vernichten.

Man kann sich trennen, ohne hinterher beweisen zu müssen, dass sämtliche Jahre ein Irrtum waren.

Man kann sogar wütend sein und respektvoll bleiben. 

Das wäre Augenhöhe nicht nur beim Zusammenbleiben, sondern auch beim Auseinandergehen.


Der Satz der Frau: Keine neue Wahrheit, sondern eine Möglichkeit

Die ursprüngliche Antwort wäre:

„Weil dir niemand beigebracht hat, dass du reichen würdest, so wie du bist.“

Emotional funktioniert dieser Satz wunderbar. Für ELSTER wäre er mir trotzdem zu endgültig.

Denn jetzt würde die Frau plötzlich erklären, warum er dreißig Jahre so gelebt hat.

Sie kennt vermutlich Teile seiner Geschichte. Sie kennt ihn. Trotzdem besitzt sie keine gottgleiche Außenperspektive auf sämtliche Ursachen seines Lebens.

Deshalb würde ich den Satz bewusst öffnen:

„Vielleicht hat dir lange niemand gezeigt, dass du nicht erst jemand anderes werden musst, um zu reichen.“

Das „Vielleicht“ ist hier keine Larifari-Ausweichbewegung. Es erfüllt einen wichtigen Zweck. Es lässt ihm seine eigene Deutungshoheit.

Sie sagt nicht: „Ich weiß jetzt, warum du so bist.“ Sie sagt: „Hier ist eine Möglichkeit, die du anschauen kannst.“

Das ist für mich VSP und ELSTER in einem Satz. Nicht festlegen. Sichtbar machen.


Mal ’ne blöde Frage: Was, wenn niemand der Böse ist?

Was, wenn die Beziehung trotzdem vorbei sein darf? Was, wenn einer stärker verletzt wurde und trotzdem nicht zum Opfer als Identität werden muss? Was, wenn einer mehr Verantwortung trägt, ohne dadurch ein vollständig schlechter Mensch zu sein? Was, wenn Liebe geblieben ist und Zusammenleben trotzdem nicht mehr möglich ist? Was, wenn das Ende richtig ist und trotzdem beiden weh tut? Was, wenn niemand gewinnen muss? Was, wenn die gemeinsame Geschichte nicht nachträglich zerstört werden muss, damit die Trennung Sinn ergibt? 

Was, wenn Frieden nicht bedeutet: „Jetzt ist mir alles egal.“ Sondern: „Es darf wehtun, ohne dass wir einander dafür bestrafen müssen.“ 

Da treffen wir auf die beiden Gedanken, die zuvor schon vor der Tür standen:

Loslassen heißt nicht aufhören zu lieben. Es heißt, aufhören zu kontrollieren, wie es sich anfühlen darf.

und:

Frieden bedeutet nicht, dass nichts weh tut. Frieden bedeutet, dass es wehtun darf, ohne dass ich mich dafür bestrafe.

Auf eine Trennung übertragen kommt ein dritter Satz dazu:

Ein Ende braucht man nicht zwingend einen Bösewicht, damit es ein berechtigtes Ende sein darf.

Diese drei Gedanken gehören für mich zusammen. Liebe muss nicht Bleiben bedeuten. Schmerz muss nicht Unfrieden bedeuten. Trennung muss nicht Verurteilung bedeuten.


Was bleibt, wenn das Gericht geschlossen wird?

Eine unangenehm große Menge Verantwortung.

Denn ohne Bösewicht kann ich mich nicht vollständig hinter dessen Schuld verstecken. Ich muss anschauen: Was habe ich getan? Was hat der andere getan? Was war schön? Was war verletzend? Was habe ich nicht gesagt? Wo habe ich mich angepasst? Wo habe ich Erwartungen gestellt? Was konnte ich nicht geben? Was wollte ich nicht mehr geben? Was habe ich gelernt? Was möchte ich künftig anders? 

Das ist mühsamer als: „Du warst das Problem.“ Es eröffnet jedoch etwas, das Schuldgerichte nur selten anbieten: Entwicklung ohne Selbstvernichtung.

Ich kann sagen: Ich habe Fehler gemacht .Ich war feige. Ich habe verletzt. Ich habe mich selbst verlassen. Ich habe zu lange geschwiegen. Ich habe etwas versprochen, das ich nicht halten konnte. Ich hätte anders handeln wollen.

Trotzdem muss daraus nicht folgen: Ich bin falsch. Genau dort könnte der Mann am Küchentisch zum ersten Mal vor einer völlig neuen Frage sitzen.

Nicht: „Was stimmt mit mir nicht?“ Sondern:

„Wenn ich nicht grundsätzlich falsch bin – wer möchte ich dann sein?“

Das ist eine wesentlich gefährlichere Frage. Denn jetzt gibt es keine fertige Rolle mehr. Keinen Schuldigen. Keinen Richter. Keine Elternstimme. Keine Partnerin, die ihm erklärt, wer er sein soll. Nur einen Menschen, der möglicherweise zum ersten Mal selbst herausfinden muss, was er eigentlich will.


ELSTER endet hier nicht mit einem Freispruch

Das wäre mir wichtig. Der Sinn dieses Artikels lautet nicht: „Niemand ist schuld, alle sind toll, Gruppenumarmung und ab nach Hause.“

Nein. Menschen können Verantwortung tragen. Massiv sogar.

Verhalten kann zerstörerisch sein. Grenzen können notwendig werden. Eine Trennung kann der einzig noch tragfähige Weg sein.

ELSTER soll nichts weichzeichnen. Es soll genauer unterscheiden. Zwischen:Verhalten und Person. Verantwortung und Entwertung. Schmerz und Bestrafung. Liebe und Beziehung. Trennung und Verurteilung. Erklärung und Entschuldigung. Frieden und Gleichgültigkeit.

Damit bleibt am Ende womöglich keine wunderbar saubere Geschichte. Nur eine menschliche.

Zwei Menschen sitzen an einem Küchentisch. Einer geht. Eine bleibt zunächst zurück. Beide verlieren etwas. Beide nehmen etwas mit.

Es darf wehtun. Es darf Liebe übrig bleiben. Es darf Wut geben. Es darf Erleichterung geben. Verantwortung darf benannt werden. Grenzen dürfen entstehen. Niemand muss deshalb zum vollständig falschen Menschen erklärt werden.

Manchmal könnte ein respektvolles Ende genau dort beginnen:

„Ich muss dich nicht zerstören, damit ich gehen darf. Ich muss mich nicht zerstören, damit du verletzt sein darfst.“

Das ist kein Happy End. 

Es ist etwas deutlich Interessanteres.

Ein Ende auf Augenhöhe.

Herzlichst, Jacqueline

Kommentare
* Die E-Mail-Adresse wird nicht auf der Website veröffentlicht.